Samstag, 9. Oktober 2010

Panamax

Habt Ihr mich schon vermisst? - Ich vermisse Euch auch.

Deshalb ist es auch dringend noetig Euch mal wieder ein Update zu liefern.

Mittlerweile bin ich schon wieder ueber einen Monat an Bord, eigentlich
laeuft es ganz gut, aber irgendwie bin ich vom Pech verfolgt.

Aber der Reihe nach:

Wie Ihr noch wissen duerftet habe ich mich am 26. August aus Hamburg
verabschiedet. Phillip (Philipp? Vergess ich immer wieder) und Arnd waren so
nett mich zum Flughafen zu bringen und mit mir noch einen Kaffee zu trinken.
Von dort aus ging es dann ueber Amsterdam nach Panama. 15 Stunden Flug und 6
Filme spaeter, bin ich wie ueblich ohne Schlaf am Tocumen Airport in Panama
City angekommen. Leider allerdings nur ich, meine Koffer haben es nicht so
weit geschafft. Nach zaehen Verhandlungen mit unmotivierten und schlecht
Englisch sprechenden Mitarbeitern von KLM am Lost and Found Schalter war
klar, dass meine Koffer in Amsterdam geblieben sind und ich vermutlich ohne
sie einsteigen muss. Es gaebe aber die Chance das sie am naechsten Tag da
sind und mir dann eventuell noch rechtzeitig aufs Schiff geliefert werden
koennten. Wunder gibt es immer wieder. Gluecklicherweise wartete zumindest
unser Agent wie verabredet am Ausgang und hat mich auch gleich nach Colon an
der Ostseite des Panamakanals ins Hotel gebracht wo ich dann auf die Ankunft
der BBC Elbe am naechsten Tag gewartet habe. Nach ein paar Stunden
tatsaechlich erholsamen Schlafes klingelte mein Telefon und die Rezeption
vom Sheraton Four Points teilte mir mit, dass der Agent mich gegen 13.00h
abholen werde um mich zum Schiff zu bringen. Auf der Fahrt zum Hafen ist mir
klar geworden warum das Auswaertige Amt fuer Panama City das alleinige
Herumwandeln bleichgesichtiger Touristen zur Nachtzeit in einigen
Stadtteilen nicht empfiehlt und es in Colon, sogar zur Tageszeit,
strengstens davor warnt. Ich habe ja schon so einiges gesehen, aber wie die
da Hausen und mit wie vielen Menschen in einer Wohnung, man konnte in die
meisten der dreistoeckigen Haeuser wegen oftmals fehlender Aussenwaende
prima reinschauen, da wuerde ich auch jedem Gringo ein Messer ins Herz
rammen, seinen Geldbeutel nehmen und mir was schoenes auf dem Land suchen.
Abgesehen von meinen Beobachtungen verlief der Transport aber ereignislos
und nach dem ausklarieren bei den Behoerden bin ich mit dem Boot zum Schiff
uebergesetzt worden.

Die BBC Elbe faehrt unter deutscher Flagge, das wusste ich vorher nicht, zum
Glueck habe ich zusaetzlich zu meinem Antigua Barbuda Seefahrtsbuch trotzdem
noch mein deutsches eingepackt, da wir letztes Mal in China nur mit diesem
an Land durften. Die deutsche Flagge bietet den Vorteil, dass zusaetlich zu
der russischstaemmigen Crew die Offiziere und einige Mannschaften auch
Deutsch sind. Fuer mich nach den schlechten Erfahrungen auf dem letzten
Schiff sehr willkommen. Obwohl ich schon an dieser Stelle alle meine
Aeusserungen betrefflich dieser Volksgruppe aus der letzten Zeit
zuruecknehmen und das Gegenteil behaupten moechte.

An Bord habe ich die gleiche Kammer wie auf der BBC Ems bezogen, denn die
BBC Elbe ist ein Schwesterschiff, Aussenkabine A Deck Steuerbord vorne. Da
das Auspacken mit nur einem Rucksack und den Klamotten an meinem Leib
vergleichsweise zuegig von statten ging, konnte ich sofort den Dienst
antreten und bei der Gangwaywatch gucken das keiner guckt. Gegen Abend haben
wir dann die Erlaubnis erhalten in die erste Schleuse zum Panamakanal
einzufahren. Die Durchfahrt war weit weniger spektakulaer als gedacht, zumal
dunkel, allerdings doch recht beeindruckend wenn man sich einmal die
Dimensionen vor Augen fuehrt. Eine Gang von panamaischen Mooringleuten
erledigt die Festmacharbeiten mit den Stahlkabeln der Lokomotiven die einen
dann sicher und mit genuegend Abstand zu beiden Seiten durch die Schleusen
ziehen. Die ganze Passage dauert nur etwa 8 Stunden und auf der anderen
Seite angekommen waren meine Koffer natuerlich immer noch nicht da.
Herzlichen Glueckwunsch.

Vor uns lagen ja nur 29 Tage bis nach China.

Mittwoch, 28. April 2010

Heimreise

....und komm ich dann wieder in nem halben Jahr, braungebrannt wie son
Hottentott :-)

Oh wie schoen ist Panama sprach der kleine Tiger...

Die Kueste ist fast in Sicht und ich habe eben meine Papiere und Flugdaten
vom Kapitaen erhalten. Ich werde mit einem Boot von unserem Schiff auf der
Reede abgeholt und werde hoffentlich noch ein wenig Zeit fuer Sightseeing in
Panama City haben. Ankunft in Hamburg am Freitag 30.04. gegen 17:50h.
Am Montag geht es dann gleich wieder weiter in die Berufsschule nach
Rostock. Fuer die Zeit an Land werde ich wie letztes Mal mein Blog nicht
fuehren und Ihr muesst mit mir persoenlich Vorlid nehmen ;-)
Bis bald Ihr alle

Viele Gruesse

Jan

Montag, 19. April 2010

China Bericht 2

Überfahrt Tianjin/Shanghai 26.03.-01.04.:

Die eigentliche Überfahrt von Tianjin hat zwar nur zwei Tage gedauert, aber
wir mussten aufgrund von Nebel Gezeiten und wahrscheinlich auch nicht
bezahlter Schmiergelder dort noch vier Tage vor Anker liegen bevor wir in
den Hafen einlaufen konnten. Bei der Ausfahrt aus Tianjin durfte ich den
Rudergänger machen, das war ziemlich cool mit dem 143m-Schiff durch den vor
Schiffen nur so wimmelnden Fluss zu pflügen. Das Vorankerligen war dann
allerdings weniger erquickend, da es zuerst hieß, dass ich schon in Shanghai
von Bord gehen sollte, wir sogar schon einen Kurzurlaub nach Litauen gebucht
hatten, aber dann aufgrund von Visaformalitätsproblemen mit den blöden
Chinesen ausgefallen ist. Egal, Panama ist ja nur ein Katzensprung von 29
Tagen von Shanghai entfernt...

Shanghai 02.04.-04.04.:

Angekommen in Shanghai ging das Laden dann tatsächlich auch ziemlich fix,
auch wenn aus den anberaumten 24 Stunden natürlich nichts geworden ist. Für
die Ausstellung eines Ausreisevisas hätte es dennoch fast gereicht. Naja.

Da wir wussten, dass das Laden nicht so lange dauern würde wollten wir
natürlich möglichst schnell von Bord um uns Shanghai doch etwas aus der Nähe
anzusehen. Daraus wäre allerdings zuerst fast gar nichts geworden, da wir
feststellen mussten, dass die chinesischen Behörden nur für drei
Besatzungsmitglieder Landgangspässe ausgestellt hatten. Dann haben wir aber
bemerkt, dass die Pässe die wir in Tianjin bekommen haben für ganz China und
die Dauer der gesamten Reise gelten. Also schnell kurz nach Feierabend ein
Taxi gerufen und für schon nicht mehr ganz schnäppchenhafte 50 Dollar in die
City. Zugeben man fährt auch gut fast eine Stunde aber dennoch Wucher. Aber
die Halsabschneidermafia wartet ja an jeder Hafeneinfahrt. Ausgesetzt hat
man uns am People´s Square, mitten im Herzen von Shanghai. Dort steckt das
Geld, da steppt der Bär. Rechts Aston Martin, links Porsche und Ferrari.
Nicht ganz unsere Preisklasse wie wir feststellen mussten. Wir wollten doch
nur gemütlich ein zwei Bierchen in netter Atmosphäre trinken. Die Straßen
und Gassen waren allerdings sehr schick, auch wieder so Marke englischer
Kolonialstil, aber das ganze super erhalten und top gepflegt. Als erste
Station haben wir uns dann die Davidoff Lounge ausgesucht, welche sich als
getarntes Münchner Hofbräuhaus entpuppte, wo wir dann bei wirklich guter
Live Musik Paulaner Hefeweizen für neun Euro das Glas Getrunken haben. Da
wir mit Blick auf den Geldbeutel nicht allzu lange in diesem feinen
Etablissement verweilen konnten haben wir uns nach dem zweiten dann auch
wieder auf die Strasse begeben um noch etwas Sightseeing zu machen. Wirklich
ganz schön das alles und man kann sogar sagen auch geschmackvoll. Viel Licht
natürlich, in allen Farben, aber trotzdem nicht kitschig. Obwohl die ganzen
Bäume an der Hauptstrasse geschmückt waren wie bei uns zur Weihnachtszeit.
Die Strassenüberführungen beleuchtet von unten in coolem neonblau. Sehr
futuristisch.

Wir wollten uns schon auf den Weg nach Hause begeben, da uns dort alles zu
teuer schien und wir lieber noch am Hafen eine Kaschemme aufsuchen, da hat
uns ein nicht ganz uneigennützig hilfsbereiter Chinese den Weg zu einer doch
ziemlich coolen Bar gewiesen, wo er nachdem wir angekommen waren seine
Provision vom Eigentümer bekam und von dannen zog. Dort war es ganz
heimlich, die Musik gut und das Bier bezahlbar. Und dort haben wir auch
einen sehr netten Engländer kennengelernt der schon seit 15 Jahren in China
lebt und mit dem wir uns gut unterhalten haben. Leider mussten der 2.
Offizier und der 2. Ingenieur schon wieder um zwölf zurück am Schiff sein da
sie Wache hatten. Aufgrund der guten Atmosphäre und der guten Unterhaltung
hatte ich einfach so gar keine Lust schon zurück zum Schiff, vor allem da
ein Monat auf See vor uns lag. Also entschied ich mich die beiden vorfahren
zu lassen, später nachzukommen und mit dem Engländer noch ein wenig weiter
zu ziehen. Kaum waren die Beiden weg viel mir ein, däääännnnnnnggggggggg,
die haben ja die Adresse von unserem Liegeplatz mitgenommen... arg, wie komm
ich wieder nach Hause?? Und Shanghai ist dann doch mal eeeeetwas größer als
der doch recht überschaubare Teil von Tianjin den wir erkundet haben. Aber
der Engländer meinte ich solle mir mal nicht so einen Kopf machen, das würde
sich schon finden, er kenne sich schließlich aus und wir sollten jetzt
weiterziehen. Gesagt getan, doch nachdem wir noch zwei Läden abgeklappert
hatten war es dann auch für mich Zeit zurück zum Schiff zu fahren, da ich
mindestens meine acht Stunden Schönheitsschlaf brauche, aber da mein Dienst
um sieben Uhr anfängt wollte ich mich in dieser Nacht mit wenigstens vier
begnügen. Dank der Chinesischkenntnisse meines neuen Freundes konnten wir
dann auch den Besitzer des letzten Clubs nach dem Weg zum Hafen fragen.
Dieser gab auch bereitwillig Auskunft und meinte, dass recht viele Seeleute
bei ihm verkehren. Netter Weise hat er dann auch gleich ein Taxi gerufen und
den Fahrer instruiert. Dummer Weise allerdings mit völligem Quatsch, denn
nach zehn Minuten Fahrt hielt das Taxi an und der Fahrer meinte wir wären
da. Irgendwo in Shanghai vor einem Hotel, nirgendwo auch nur ein bisschen
Wasser zu sehen, nachts um halb drei. Offensichtlich also nicht der Hafen,
geschweige denn der Liegeplatz meines Schiffes. Unverständnis seitens des
Taxifahrers, diskutieren zwecklos, lost in translation. Und da waren sie
wieder meine drei Probleme, keine Ahnung wo ich bin, keine Ahnung wo ich hin
muss, kein Chinesisch. Glücklicher Weise habe ich auf dem Weg gesehen das
ein Hyatt Hotel an der Strasse lag, die Sprechen Englisch und sind die ganze
Nacht besetzt, also hin. Während des Gehens habe ich dann schon mal Mein
Automatisches Geonavigations System, kurz MAGS, in Hamburg angerufen, um
mich schon einmal so ungefähr mittels Google Earth und Vesseltracker
(Anzeige von Schiffspositionen im Internet) einnorden zu lassen. Mit Hilfe
meiner Lieblingsfreundin dann und den wirklich sehr netten und hilfsbereiten
Rezeptionistinnen des Hyatt Hotels (kann ich nur weiter empfehlen) ist es
uns dann schließlich gelungen den ungefähren Liegeplatz des Schiffes zu
bestimmen und ein weiteres Taxi zu rufen. Mittlerweile war es halb vier. Los
ging die wilde Fahrt. Nichts auf dem Weg kam mir vom Hinweg bekannt vor,
aber die ungefähre Richtung stimmte. Nach ca. einer Stunde hielten wir dann
vor einer Zufahrt zum Hafen. Aussteigen, Papiere zeigen. Wildes
Kopfschütteln des Pförtners, und Gestikulieren in eine andere Richtung. Also
wohl nicht hier. Wir fahren weiter zum nächsten Tor, fragende Blicke der
Pförtner, Papiere zeigen, durchfahren. Nur leider war bei den vielen
Schiffen die an dieser Pier lagen unser Schiff nicht mit dabei. Der
Taxifahrer war schon mittelschwer genervt. Aber ich dachte mir cool bleiben.
Was machen? Idee. Ich bin ausgestiegen und die Gangway zum nächsten Schiff
hochgelaufen. Die haben doch Radar und AIS die müssten doch rausfinden
können wo ich hin muss. Habe ich also den Gangwaywatchman angesprochen. Hey
you, seaman. I also seaman, I have problem, I cannot find my vessel. Ein
Glück er spricht Englisch. What name of your vessel? Ich: BBC Ems. Er: Ok, I
ask my Officer on bridge. Ein paar Minuten vergehen. Dann er: No, problem we
find your ship. It is about three miles from here. Bearing 100 degrees (3
Meilen entfernt, Kompasspeilung 100 Grad) Ich: Thank you very much, what is
the name of the jetty? Er: No idea. Wait I ask foreman. Der Vorarbeiter hat
dann wiederum die Hafenverwaltung angefunkt und nach dem Liegeplatz gefragt.
Nach einer weiteren viertel Stunde kam als Antwort allerdings nur ein we
cannot find BBC Ems. Ob es ok wäre wenn sie die Polizei zur Unterstützung
anfordern. Polizei? Natürlich, her damit, wenn die es nicht rausfinden wer
dann? Ich will doch nur nach Hause. So glücklich haben die wohl noch nie
einen nach der Polizei rufen sehen. Mittlerweile halb sechs. Die Jungs in
der schwarzen Uniform sind dann nach weiteren 20 Minuten eingetroffen und
haben dann auch innerhalb von 10 Minuten den Namen des Liegeplatzes
rausgefunden. Da sag noch einer ein Polizei und Überwachungsstaat sei nichts
tolles. Weitere Instruktionen wurden an meinen sich die Haare raufenden
Taxifahrer gegeben, der bei den Worten Polizei auch alles andere als
glücklich ausgesehen hat. Also auf zum Endspurt. Neenee, nicht so schnell.
Obwohl mein persönlicher Chauffeur nun wusste wo es hingeht, hat er den Brei
anscheinend schon so auf gehabt, dass er wild hupend ein anderes Taxi von
der Strasse zum Halten gebracht hat, sein Geld haben wollte, dem neuen
Fahrer gesagt hat wo es hingeht, abgehauen ist und mich hat stehen lassen.
Versöhnlicher Weise waren diese letzen Anweisungen dann aber korrekt und als
wir am Hafentor ankamen konnte ich auch schon die BBC Ems in der Morgensonne
glitzern sehn. Papiere zeigen, Taxifahrer bezahlen, zu Hause. Pünktlich um
viertel vor sieben zum Dienstbeginn.

Die durchgemachte Nacht habe ich übrigens besser weggesteckt als ich
erwartet hatte und zum Glück war auch nur Treibstoff Bunkern angesagt, so
dass wir die meiste Zeit des Tages an Deck in der frischen Luft verbringen
konnten. Den Ladevorgang haben wir am nächsten Tag abgeschlossen und jetzt
befinden wir uns schon mittlerweile wieder über zwei Wochen auf See in
Richtung Panama, von wo aus ich dann endlich und verdient nach Hause fliegen
werde. Richtet Euch auf meine Ankunft am 1. Mai ein.

Viele liebe Grüße von Norden bis Süden, von Osten bis Westen Euer guter
alter Jan.

(und für Phillip: Ich rufe dich Galaktika, vom fernen Stern Andromeda... ;-)

Dienstag, 6. April 2010

China Bericht Nr.1

Hallo allerseits,

jetzt habt ihr schon so lange nichts mehr von mir gehört, dass ihr euch
sicher schon gefragt habt ob ich vielleicht untergegangen bin, oder sogar
einfach schon wieder zu Hause sitze, es mir gut gehen lasse und einfach zu
faul bin zum schreiben. Weder noch ist dem so. Aber in letzter Zeit gab es
einfach immer so viel zu tun und wenn ich dann mal Zeit hatte, dann hab ich
auch tatsächlich keine Lust gehabt noch etwas zu Papier zu bringen. Deshalb
hier nun der Nachtrag zu den vergangenen Wochen.

Die Überfahrt von Kanada nach China 18.02.-08.03. :

Die Reise von Vancouver nach Longkou ist erfreulich ereignislos verlaufen,
was für die Jahreszeit und die Passage der Beringsee keine
Selbstverständlichkeit ist. Außer 7-8 Windstärken an zwei drei Tagen und
etwas bewegter See sind wir von den wilderen Auswüchsen dieser Gefilde im
Winter verschont geblieben. Während der Durchfahrt zwischen den Aleuten
haben wir prächtige Ausblicke auf verschneite und vereiste Vulkane gehabt
und da ich die erste Tageshälfte auf der Fahrt auf Brücke verbracht habe
konnte ich das auch glatt genießen und auch ein paar Fotos machen. Die
restliche Arbeitszeit habe ich mit der Deckcrew verbracht, fast
ausschließlich mit Reinigungsarbeiten in der Accomodation. Denn bei
Minustemperaturen fallen sämtliche Arbeiten an Deck einfach mal aus. Da die
Überfahrt 18 Tage gedauert hat war es hinterher auch seeeeeehr sauber.
Aufgrund der niedrigen Außentemperatur hatten wir auch Eis an Deck.
Seewasser friert erst bei -4 Grad, bildet dann aber bei ständiger Spray die
vom Bug überkommt doch recht schnell ansehnliche Schichtdicken. Auf dieser
Reise zwar nicht so viel das wir uns ernsthaft hätten Gedanken machen müssen
aber doch genug das wenn man auf das Vorschiff gegangen ist, sich gefühlt
hat wie in einem Eispalast. Beweisfotos folgen. Als wir dann wieder in
befahrenere Gewässer bei Japan gekommen sind habe wir mit ganzem
Körpereinsatz das Schiff von der Eislast befreit um zumindest wieder unsere
Positionslichter zeigen zu können. Während meiner Zeit auf Brücke habe ich
dann auch endlich von unserem Chiefmate die Astronavigation verständlich
erklärt bekommen, sowie auch Besteckrechnung nach vergrößerter Breite und
Großkreisnavigation. Navigatorisch ein ganz großer Schritt nach vorne für
mich.

Löschhafen Longkou 08.03.-13.03. :

Longkou (chin. Das Maul des Löwen) gelegen am südöstlichen Ende der Bohai
Bucht, ist eine für europäische Verhältnisse große Stadt, für China aber
wohl eher klein und zudem ein ziemliches Drecksnest. In der Stadt gibt es
trotz der Größe so gut wie nichts, so dass ich auch die ganze Zeit über an
Bord geblieben bin und meine Zeit auf der Gangwaywache abgesessen habe. Die
Löscharbeiten liefen zuerst sehr gut, haben sich dann aber doch noch etwas
in die Länge gezogen, da das Viehfutter welches wir geladen hatten direkt
vorm Schiff in Säcke gefüllt wurde. Trotz vieler kleiner Chinesenhände
brauchte das seine Zeit.

Trockendock, Überholung des Schiffes in Tianjin 14.03.-26.03. :

In Tianjin, quasi einem "Vorort" Pekings, schnuckelige 6-9 Millionen
Einwohner und angeblich größte Hafen Chinas, haben wir die überfällige
Überholung unseres Schiffes durchgeführt. Im Maschinenraum wurde von einer
Schar Chinesen der gesamte Motor auseinandergepflückt, gereinigt,
inspiziert, ausgebessert und schließlich erstaunlicherweise auch wieder
funktionstüchtig zusammengebaut. Bei dem ganzen drunter und drüber, ohne
erkennbare Ordnung beim Zerlegen und vor allem komplett ohne eigenes
Werkzeug mitgebracht zu haben grenzt das schon fast an ein Wunder. Während
sie ein riesiges Chaos veranstaltet haben, haben sie zwischendurch immer
wieder beherzt und fröhlich auf den Boden gespuckt und gequalmt haben alle
wie die Schlote. Unter den ganzen Chinesen die unseren Maschinenraum
unsicher gemacht haben konnte ich nicht einen Nichtraucher entdecken. So
glich unsere Werkstatt dann auch öfter einer Räucherkammer. Ich könnte so
weiter erzählen aber das würde erstens hässlich werden und zweitens gilt
dieses Benehmen wohl auch eher für die Arbeiterschicht. Immerhin ein
hamburger Hafenarbeiter schneidet hinsichtlich seiner Umgangsformen im
Vergleich noch mit einem sehr gut ab. Jetzt aber noch kurz zu den restlichen
ausgeführten Arbeiten. In der ersten Luke haben wir ein weiteres
Zwischendeck eingebaut bekommen, der Rumpf wurde gereinigt und neu mit
Antifouling gestrichen, wie auch sonst das Schiff allgemein aufgehübscht
wurde. Die gesamte Werftzeit über haben wir fast täglich zwölf Stunden
rangeklotzt so dass ich auch nur zwei Mal in die Stadt gekommen bin. Diese
Stadt hat mich allerdings dann doch überrascht, denn es gibt hier alle
Annehmlichkeiten einer Großstadt und es fehlt an nichts. Sehr erfreulich
nach dem ersten Eindruck in Longkou. Eines muß man den Chinese lassen, sie
kleckern nicht sie klotzen. Bei meinem ersten Ausflug in die Stadt, ohne zu
wissen wohin genau, habe ich gedacht ich fahre einfach mal zu den
Hochhäusern die man vom Hafen aus sehen kann. Hochhaus = Stadt. Dachte ich
mir zumindest. Mir wurde zwar gesagt das hier niemand Englisch spricht aber
die Worte City und Shopping sollte wohl jeder kennen... meiner Überlegung
nach. Ich habe mich also an die Straße vor der Werft gestellt und ein Taxi
rangewunken. Tür auf; Ich in fließendem Chinesisch: Nihau. Taxifahrer:
Chingchangchong. Ich: City?! Er: Chingchangchong. Ich: Shopping???!! Er:
Blablabla. Bams, Tür zu. War wohl nix. Warten auf das nächste Taxi. Selber
Text anderer Fahrer. Bams, Tür zu, wieder nichts. In das nächste Taxi bin
ich einfach eingestiegen und hab mit der Hand auf die Hochhäuser gezeigt.
Das Gesicht des Taxifahrers hellt sich auf. Ich denke; Aha, er hat
verstanden, super... Wir fahren lustig durch die Gegend und so ziemlich in
die richtige Richtung, nur irgendwie sind die Straßen ganz schön marode. Und
auch gar keine Beleuchtung und so merkwürdig... Nach einer halben Stunde
oder so kommen wir dann bei besagten Hochhäusern an, merkwürdig kein
einziges Licht an. Keiner zu Hause? Und dann dämmerte es mir, da wohnt noch
gar keiner. Das ist alles neu. Man stelle sich die Hafencity in Hamburg vor,
nur fünf mal so groß und fünf mal so hoch. Taxifahrer: Chingchangchong. Ich:
City, Shopping, buhuhuuuu... Außerdem hab ich auch noch keinen einzigen
Chinapfennig in der Tasche gehabt. Aber zum Glück wohnte bei den Hochhäusern
noch keiner aber es gab schon eine Bank mit funktionierendem Geldautomaten.
Und als ich gerade aussteige läuft auch noch ein junger Chinese längs, der
dann sogar noch ein wenig Englisch spricht. City, Shopping??! Yes. Not here.
Other side. Aha. Er also zum Taxifahrer Chingchangchong und endlich wusste
der wo er mich hinbringen sollte. Also wieder eine halbe Stunde in die
andere Richtung und tatatataaaaa Stadt, sogar eine große Stadt.
Hervorragend. Eine Stunde kreuz und quer Taxi fahren, 8 Euro. Leider war es
nun aber schon so spät geworden, die Geschäfte schließen üblicherweise um
neun, dass ich nur noch einmal kurz die Einkaufsstraße rauf und runter
maschieren konnte. Aber jetzt wusste ich ja bescheid fürs nächste Mal. Ich
wollte gerade schon wieder zum Hafen zurückfahren da habe ich noch einen
offenen Friseur gesehen der sehr einladend und sauber aussah und den ich
außerdem dringend nötig hatte. Ich also rein, ganz wichtig wird die Tür
aufgemacht von einem kleinen adrettgekleideten Chinesen mit Funkgerät im
Ohr. Oh man, ob das meine Preisklasse ist war ich mir nicht so sicher. Ein
bisschen Englisch sprachen sie dort auch. Cut, 25 Yuan. (4 Euro) Super.
Ablegen, Waschen, Schneiden, wieder Waschen, Föhnen, Stylen. Und zum
Abschluss noch ein Gruppenfoto mit dem ganzen Friseurteam. Irgendwie kommen
dort wohl nicht so viele Europäer vorbei hatte ich das Gefühl. Der Friseur
war also erledigt und ich konnte nach Hause. Zum Glück habe ich bevor ich
losgefahren bin noch ein Foto von dem Werfttor samt Namensschild gemacht
welches ich dem Taxifahrer zeigen konnte. Der kannte zwar wohl die Werft
nicht, begriff aber das es was mit Schiffen zu tun haben musste. Er zeigt
auf das Foto. Ich: Yes, to the port, ship... Er grinst. Ich: Ship??!
Harbour!? Ship tuuuuuuuuutuuuuuuuut. Er: Tuuuuuuuutuuuuuuuut???! Ich: Yes,
tuuuuutuuuuut. Er sieht aus als wenn er verstanden hätte. Wir probieren es
und tatsächlich kommen wir gleich beim ersten Versuch dort an. Juchuuu.
Mission erfolgreich abgeschlossen.

Nach dieser unterhaltsamen Geschichte bin ich noch ein weiteres Mal in der
Stadt gewesen, zusammen mit unserem 2. und 3. Ing. Da hatten wir dann aber
besser vorgesorgt und uns die Adresse von der Shopping Mall und von der
Werft vorher aufschreiben lassen. Macht das ganze unendlich einfacher :-)

Das war es so ungefähr mit dem was es aus Tianjin zu berichten gibt. Beim
nächsten Mal geht es weiter mit Shanghai. Die Geschichte wird noch besser.
Versprochen.

Montag, 22. Februar 2010

Vancouver im Februar 2010

Vancouver 2010

olympic athletes welcome

bring your own snow

so stand es auf einem Schild das ich am Straßenrand in Nordvancouver in Nähe
unseres Liegeplatzes gesehen habe. In der Nacht vom 1. auf den 2. Februar
sind wir nach 14 Tagen auf See in den Hafen der Stadt die von sich selbst
sagt sie habe die schönste Skyline der Welt eingelaufen. Die Überfahrt
verlief bei meistens sehr gutem Wetter und mäßigem Schwell recht
ereignislos. Auf Grund der schweren Ladung sind wir ab und zu relativ stark
ins Rollen gekommen, es hielt sich aber alles noch im Rahmen. Gelöscht haben
wir am Dock der Firma Kinder Morgan östlich der Lions Gate Bridge in
Nordvancouver mit bester Sicht auf die von den Bäumen des Stanley Parks
eingerahmten Sillouette der Wolkenkratzer von Vancouver City. Ob es wirklich
die schönste Skyline der Welt ist kann ich nicht beschwören, aber
tatsächlich die schönste die ich bisher gesehen habe. Die Einwohner dieser
schönen Stadt sollen laut einer Umfrage zu den glücklichsten Menschen der
Welt gehören. Das merkt man auch gleich wenn man so einem Kanadier begegnet.
Schon in ca. 50 m Entfernung reißen sie den Arm hoch und rufen einem ein
fröhliches "Hi, how are you?" entgegen worauf man dann natürlich auch gleich
mit einem mindestens ebenso begeisterten "Hi, I am good and how are you?"
antworten muß. Man will ja nicht gleich als Rüpel erscheinen. Hat so weit
auch funktioniert. Das der Vancouveraner so glücklich ist hängt wohl auch
damit zusammen, dass die Stadt Ähnlichkeit mit Hamburg hat. Der Campbell
River führt wie bei uns die Elbe direkt durch die Stadt und der Hafen liegt
sehr zentral. Unmittelbar in der City beginnt der Stadtpark und zu allem
Überfluss haben sie hier rundherum auch noch Berge hingestellt die im Winter
zum Skifahren und im Sommer zum Wandern einladen. Das Wasser bleibt die
meisten Winter über eisfrei, so dass ganzjährig gesegelt werden kann. Was
will man mehr?

Nur in eben diesem Jahr wo ausgerechnet die olympischen Winterspiele hier
statt finden spielt das Wetter nicht wie geplant mit. Dort wo sonst
mindestens 30 cm Schnee liegen sollten gibt es höchstens etwas Matsch. Eher
typisches graues Hamburger Winterwetter, hab mich gleich zu Hause gefühlt.
Um die Pisten für die Spiele zu präparieren wollte man sich allerdings nicht
vollends auf Kunstschnee verlassen und hat zusätzlich noch unzählige LKW
Ladungen echten Schnee von höheren Lagen aus der Umgebung herbeikarren
lassen. Fühlt sich einfach besser an unter den Skiern. Für diese Leistung
bekommen sie von mir den Grünen Daumen.

Das Löschen unserer Ladung aus Zink und Blei hat bis zum 07.02. gedauert und
da wir anschließend Futterkonzentrat für Kühe und Erbsen laden sollten,
mussten wir natürlich alle Laderäume picobello sauber machen. Dummerweise
durften wir das Waschwasser aber nicht im Hafen außenbords pumpen und
mussten somit noch einmal ganz bis raus auf See fahren. In einer
konzertierten Mammutaktion haben wir es geschafft das ganze Schiff innerhalb
von drei Tagen ladeklar zu bekommen. Da haben die Inspektoren nicht schlecht
gestaunt. Ab Ladebeginn sollte es nach Angaben des Futterterminals, welcher
auch direkt gegenüber von Downtown Vancouver liegt, lediglich 8-12 Stunden
dauern bis wir wieder auslaufen können...

Tatsächlich hat das Laden aufgrund landseitiger Probleme dann aber doch vom
10.-17.02. gedauert und wir konnten die Eröffnung der Olympischen Spiele aus
der ersten Reihe miterleben, denn das olympische Zentrum befand sich genau
gegenüber und ich glaube es gab keinen besseren Platz um das Feuerwerk
anzusehen. Beweisvideos werden nachgereicht.

Seit dem 17.02. sind wir jetzt wieder auf See und ich bin jetzt jeweils
halbtägig auf der Brücke und auf Deck eingeteilt. Und wie es aussieht wird
es auf dieser Reise tatsächlich was mit dem erlernen der Astronavigation.
Der erste Offizier ist auch passionierter Segler kann mit dem Sextanten
umgehen und will dieses auch gerne weiter vermitteln. Nicht wie so manch
anderer Offizier dem ich schon begegnen durfte.

Für die Menschen die mich mit dem Finger auf dem Globus verfolgen führt uns
unsere Reise auf dem Großkreis nach China. Ausgehend von der Georgia Strait
/ Vancouver Island durch den Golf von Alaska durch den Unimak Pass nördlich
über die Aleuten wieder gen Süden entlang der Near Islands zwischen Hokkaido
und Japan hindurch um Südkorea in das Gelbe Meer nach Long Kao (?) zum
Entladen und dann nach Tianjin Xingang südlich von Peking zur Überholung ins
Trockendock. Dort wurde die BBC Ems übrigens auch gebaut.

Voraussichtliche Ankunft in China ist der 07.03.2010 bis dahin bitte fleißig
weiter schreiben an JBreider@telaurus.net

Es dankt für Euer Interesse

Jan

Mittwoch, 17. Februar 2010

Samstag, 23. Januar 2010

Antofagasta

Buenos Dias,

hier ein kurzer Bericht zu unserem Aufenthalt in Antofagasta Chile:

Am 14.01. sind wir in der Frühe in Antofagasta eingelaufen. Da ich im Moment
in der Maschine arbeite und also nicht beim Festmachen helfen muss, habe ich
das Anlegen glatt überschlafen. Augen auf, Guten Morgen, willkommen in
Chile. Ich muss sagen, Antofagasta war mir gleich viel sympathischer als
Callao. Zuerst einmal gab es dort nicht so eine Dunstglocke wie ständig über
Lima und man hatte eine super Sicht auf die sich auf eine weite Küstenfläche
verteilende statt. In die Breite gebaut, nicht in die höhe. Hübsch
anzuschauen mit den ganzen Hügeln (Anden) im Hintergrund. Der Chief war gut
drauf, wollte auch selber in die Stadt und hat uns schon zum Mittag
freigegeben. Also raus aus den öligen Klamotten, Duschen und ab mit Hannes
an Land. Der Hafen liegt ziemlich zentral, so dass wir die viertel Stunde in
die Stadt laufen konnten. Als erstes durch die große Shopping Mall an der
Uferpromenade und dann weiter ins Zentrum. Die meisten Häuser sind höchstens
vierstöckig und stammen größtenteils noch aus dem 19. Jahrhundert. Allgemein
sind sie etwas renovierungsbedürftig aber man kann sich noch gut vorstellen
wie alles vorher mal ausgesehen hat. Sehr ordentlich und irgendwie erinnert
es an englische Kollonialbauten.

Wir haben ein paar Euros in Pesos eingetauscht und sind Kaffee trinken
gegangen, bzw. eigentlich frischen Mangosaft der zwar echt lecker aber
leider auch mistwarm war. Auf der Suche nach einem Internetladen sind wir
auf der Hauptstrasse in eine Wahlkampfveranstaltung für, ich glaube, einen
von den Präsidentschaftskandidaten geraten. Wenn Wahlkampf in Deutschland so
aussehen würde, würden bestimmt auch mehr Menschen wählen gehen. Eine ca.
zwanzigköpfige Blaskapelle mit allem drum und dran schmettert Sambamusik und
eine riesen Schar von Wahlhelfern mit T-Shirts und Fahnen springt
ausgelassen durch die Fußgängerzone und blockiert mal auf der einen mal auf
der anderen Seite die Kreuzung um auf sich aufmerksam zu machen. Ich würde
sagen, hat funktioniert.

Irgendwann haben wir dann auch einen Internetzugang gefunden und wir haben
unsere Informationsdefizite ausgeglichen, Mails beantwortet und nach Hause
telefoniert. Hervorragend. Hinterher gabs ein Eis von Mc Doof und wir sind
noch weiter über die Marktstrasse gelaufen, haben aber nichts interessantes
gefunden. Und Cocablätter dürfen wir nicht mit an Bord nehmen...

Abschließend haben wir uns noch in der Mall mit Getränken eingedeckt und
haben uns auf dem Weg zurück zum Schiff noch eine Pizza geholt. Die hatten
sogar einen Lieferservice. Davon haben wir uns gleich die Nummer mitgenommen
und haben uns abends um zwölf noch mal ein Pizza zum Schiff bringen lassen.
Kalorienbevorratung vonwegen der hier an Bord herrschenden Trennkost. Dazu
ein Bier, lekker!

Mittlerweile ist es aber schon der 22.01. geworden und wir befinden uns auf
der Fahrt nach Vancouver. Gestern gegen 13.00h haben wir den Äquator
überschritten und bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 15 Knoten
könnt ihr Euch jetzt ausrechnen wo wir gerade ungefähr sind.

Zwischendurch haben wir ja noch einmal in Lima gestoppt um Blei zu laden.
Die Nacht vorher (17.01.) mussten wir vor dem Hafen ankern, was mir
Gelegenheit gab meine Angelkünste zu versuchen. Insgeheim habe ich ja
gehofft wieder so einen coolen Stachelrochen wie auf Madeira zu fangen aber
da war leider nichts zu wollen. Bis es dunkel wurde belief sich die Bilanz
auf zero Fische. Aaaber als es dann dunkel war haben wir einen großen
Strahler über das Wasser gehängt und von da an ging es dann Schlag auf
Schlag. Zwar nur Sardinen und Tintenfisch, aber immerhin war ich kein
Schneider mehr und Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. Für zwei
Personen hätte das auch schon eine Mahlzeit werden können, aber unser Koch
ist da sehr eigen mit seiner Küche (ich weiß gar nicht warum, Nudeln und
Reis macht der doch eh im Topf und andere Sachen gibt es ja quasi nicht) und
so habe ich die Fische eingetütet und eingefroren als Köder für das nächste
Mal Ankern.

Von unserem Aufenthalt in Callao gibt es auch nichts spannendes zu erzählen,
da wir nicht weiter also bis zur Shopping Mall gekommen sind. Mangels Zeit
hätten wir es nicht bis in die City von Lima geschafft und Dani war leider
auch noch krank geworden. (Scheiß Klimaanlagen) Abgelegt in Callao haben wir
am 18.01. abends und die ETA für Vancouver ist so um den 03.02., falls uns
nicht noch schlechtes Wetter dazwischen kommt.

Ich hoffe ich hören von Euch und das es Euch gut geht.

Viele liebe Grüße

Jan

Montag, 18. Januar 2010



Seemannsgebet

„Ehre sei Gott auf den Meere!
Er schuf das Meer so groß und weit,
voll Licht und Wind und Unendlichkeit,
und tat damit seine Absicht kund,
dass nicht ein jeder Lumpenhund,
womit die Erde so reichlich gesegnet,
dem fröhlichen Seemann da draußen begegnet!
Ehre sei Gott auf dem Meere!”

Donnerstag, 14. Januar 2010

120 Meilen vor Antofagasta

Liebes Tagebuch,

gerade zwei Wochen bin ich nun an Bord und es machen sich schon die ersten
Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Der Grund hierfür liegt darin, dass am
Samstag während wir unweit von Guayakil (oder so ähnlich) in Equador
gebunkert haben, unser Kreiselkompass ausgefallen ist. Die Tatsache an sich
ist nicht so schlimm, da wir ja immer noch über den Magnetkompass und GPS
verfügen, nur ist unser Autopilot dummerweise eben an besagten
Kreiselkompass angeschlossen und versagt uns nunmehr seinen Dienst. Ergo,
wir müssen selber Steuern. Das heißt für mich und Hannes eine Extraschicht
auf der Brücke, natürlich zu unserem normalen Dienst. Wir haben die Wache
von acht Uhr abends bis null Uhr. Das Steuern macht eigentlich Spaß, auf so
einem 140 Meter Schiff mit 15 Knoten durch den Südpazifik zu pflügen, nur
bringt es den Schlafrhythmus etwas durcheinander. Hinzu kommt das wir auf
dem Weg nach Antofagasta in Chile noch zwei Zeitzonen durchlaufen und uns
jeden zweiten Tag noch einmal eine Stunde Schlaf geklaut wird. Aber die
holen wir uns auf dem Weg zurück nach Lima wieder. Wie Du siehst bin ich
also ganz gut ausgelastet, mit momentan zehn bis zwölf Stunden Dienst
täglich. Im Maschinenraum machen wir uns auch jeden Tag schön schmutzig und
ich bin froh, dass ich noch einen zweiten Overall zum wechseln bekommen
habe. Mit beiden Armen bis zum Ellenbogen im Öl ist im Augenblick wirklich
keine Übertreibung. Irgendein Idiot hat nämlich im Pipetunnel, das ist der
Versorgungsgang der unter dem ganzen Schiff herläuft, versucht eine
Schwerölleckage mit dem Hochdruckreiniger zu beseitigen. Herzlichen
Glückwunsch, das hat das ganze nur noch schlimmer gemacht. Und wer darf den
Mist jetzt beseitigen? Genau, ich. Zum Glück habe ich noch Verstärkung durch
Efgeni, den anderen Maschinenkadetten. Und so krebsen wir momentan schön
durch den ca. 105 cm hohen Versorgungsgang.

Morgen in der Frühe werden wir dann in Antofagasta ankommen und ich hoffe
dort auch an Land gehen zu können. So ja, in Kürze mehr.

Dienstag, 5. Januar 2010

Lebenszeichen

Liebe Fangemeinde,

am 01.01.2010 bin ich nach 22 Stunden Reisedauer wohlbehalten in Lima an
Bord der BBC Ems angekommen. Das Schiff macht einen ordentlichen Eindruck
und der Großteil der Besatzung ist wirklich nett. Mein erster Einsatzbereich
wird wieder im Maschinenraum sein. In Callao dem Hafen von Lima haben wir
bis heute den 05.01. gelegen und einen Großteil unserer Ladung Drahtrollen
gelöscht. Eben sind wir um halb sechs abends ausgelaufen mit Kurs Esmeralda
in Equador. Dort sollen wir am 07.01. ankommen. Zu meiner Freude gibt es an
Bord die Möglichkeit Emails zu schreiben und zu empfangen. Zu erreichen bin
ich fortan unter JBreider@telaurus.net über Neuigkeiten von Euch würde ich
mich riesig freuen. Nur wenn Ihr mir schreibt, dann bitte ohne Kopie der
alten Mail und auch ohne Anhänge, Fotos, etc., da die Bandbreite sehr
begrenzt ist und es dann auch schnell teuer werden kann. Was Euch aber nicht
davon abhalten soll mir lange Mails mit ausführlichen Berichten zu schicken.

In Lima habe ich es übrigens tatsächlich geschafft am Sonntag Nachmittag,
mit Hannes einem NOA bei uns an Bord, in die Stadt zu kommen und Dani eine
Freundin von mir zu besuchen, die zufällig gerade dort ein Praktikum macht.
Mit Dani haben wir uns dann das Zentrum von Lima angeschaut und noch zwei
weitere Viertel. Mal mehr mal weniger hübsch. Viele schöne alte Gebäude gibt
es dort, aber auch viele schäbige und von den Ghettos ohne Strom und allem
mal ganz abgesehen. Da habe ich schon schönere Flecken Erde gesehen. Dani
wohnt allerdings in einem wirklich hübschen Viertel, welches eher europäisch
anmutet. Und bei ihr haben wir dann auch noch eingekauft und ein schönes
Abendessen mit frischem Fisch und Garnelen gehabt. Danke Dani. Da könnte
sich unser russische Koch an Bord auch mal ein Beispiel dran nehmen. Ich
esse nämlich seit drei Tagen wahlweise Reis oder Nudeln mit Salat.
Abwechslungsreiche Trennkost eben...

Aber Ihr kennt mich ja, so schnell falle ich wohl nicht vom Fleisch.

So viel erstmal für heute, ich werde Euch weiter auf dem Laufenden halten.

Haut in die Tasten und schreibt mir. Viele Grüße Euer Jan