Samstag, 9. Oktober 2010

Panamax

Habt Ihr mich schon vermisst? - Ich vermisse Euch auch.

Deshalb ist es auch dringend noetig Euch mal wieder ein Update zu liefern.

Mittlerweile bin ich schon wieder ueber einen Monat an Bord, eigentlich
laeuft es ganz gut, aber irgendwie bin ich vom Pech verfolgt.

Aber der Reihe nach:

Wie Ihr noch wissen duerftet habe ich mich am 26. August aus Hamburg
verabschiedet. Phillip (Philipp? Vergess ich immer wieder) und Arnd waren so
nett mich zum Flughafen zu bringen und mit mir noch einen Kaffee zu trinken.
Von dort aus ging es dann ueber Amsterdam nach Panama. 15 Stunden Flug und 6
Filme spaeter, bin ich wie ueblich ohne Schlaf am Tocumen Airport in Panama
City angekommen. Leider allerdings nur ich, meine Koffer haben es nicht so
weit geschafft. Nach zaehen Verhandlungen mit unmotivierten und schlecht
Englisch sprechenden Mitarbeitern von KLM am Lost and Found Schalter war
klar, dass meine Koffer in Amsterdam geblieben sind und ich vermutlich ohne
sie einsteigen muss. Es gaebe aber die Chance das sie am naechsten Tag da
sind und mir dann eventuell noch rechtzeitig aufs Schiff geliefert werden
koennten. Wunder gibt es immer wieder. Gluecklicherweise wartete zumindest
unser Agent wie verabredet am Ausgang und hat mich auch gleich nach Colon an
der Ostseite des Panamakanals ins Hotel gebracht wo ich dann auf die Ankunft
der BBC Elbe am naechsten Tag gewartet habe. Nach ein paar Stunden
tatsaechlich erholsamen Schlafes klingelte mein Telefon und die Rezeption
vom Sheraton Four Points teilte mir mit, dass der Agent mich gegen 13.00h
abholen werde um mich zum Schiff zu bringen. Auf der Fahrt zum Hafen ist mir
klar geworden warum das Auswaertige Amt fuer Panama City das alleinige
Herumwandeln bleichgesichtiger Touristen zur Nachtzeit in einigen
Stadtteilen nicht empfiehlt und es in Colon, sogar zur Tageszeit,
strengstens davor warnt. Ich habe ja schon so einiges gesehen, aber wie die
da Hausen und mit wie vielen Menschen in einer Wohnung, man konnte in die
meisten der dreistoeckigen Haeuser wegen oftmals fehlender Aussenwaende
prima reinschauen, da wuerde ich auch jedem Gringo ein Messer ins Herz
rammen, seinen Geldbeutel nehmen und mir was schoenes auf dem Land suchen.
Abgesehen von meinen Beobachtungen verlief der Transport aber ereignislos
und nach dem ausklarieren bei den Behoerden bin ich mit dem Boot zum Schiff
uebergesetzt worden.

Die BBC Elbe faehrt unter deutscher Flagge, das wusste ich vorher nicht, zum
Glueck habe ich zusaetzlich zu meinem Antigua Barbuda Seefahrtsbuch trotzdem
noch mein deutsches eingepackt, da wir letztes Mal in China nur mit diesem
an Land durften. Die deutsche Flagge bietet den Vorteil, dass zusaetlich zu
der russischstaemmigen Crew die Offiziere und einige Mannschaften auch
Deutsch sind. Fuer mich nach den schlechten Erfahrungen auf dem letzten
Schiff sehr willkommen. Obwohl ich schon an dieser Stelle alle meine
Aeusserungen betrefflich dieser Volksgruppe aus der letzten Zeit
zuruecknehmen und das Gegenteil behaupten moechte.

An Bord habe ich die gleiche Kammer wie auf der BBC Ems bezogen, denn die
BBC Elbe ist ein Schwesterschiff, Aussenkabine A Deck Steuerbord vorne. Da
das Auspacken mit nur einem Rucksack und den Klamotten an meinem Leib
vergleichsweise zuegig von statten ging, konnte ich sofort den Dienst
antreten und bei der Gangwaywatch gucken das keiner guckt. Gegen Abend haben
wir dann die Erlaubnis erhalten in die erste Schleuse zum Panamakanal
einzufahren. Die Durchfahrt war weit weniger spektakulaer als gedacht, zumal
dunkel, allerdings doch recht beeindruckend wenn man sich einmal die
Dimensionen vor Augen fuehrt. Eine Gang von panamaischen Mooringleuten
erledigt die Festmacharbeiten mit den Stahlkabeln der Lokomotiven die einen
dann sicher und mit genuegend Abstand zu beiden Seiten durch die Schleusen
ziehen. Die ganze Passage dauert nur etwa 8 Stunden und auf der anderen
Seite angekommen waren meine Koffer natuerlich immer noch nicht da.
Herzlichen Glueckwunsch.

Vor uns lagen ja nur 29 Tage bis nach China.

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