Samstag, 23. Januar 2010

Antofagasta

Buenos Dias,

hier ein kurzer Bericht zu unserem Aufenthalt in Antofagasta Chile:

Am 14.01. sind wir in der Frühe in Antofagasta eingelaufen. Da ich im Moment
in der Maschine arbeite und also nicht beim Festmachen helfen muss, habe ich
das Anlegen glatt überschlafen. Augen auf, Guten Morgen, willkommen in
Chile. Ich muss sagen, Antofagasta war mir gleich viel sympathischer als
Callao. Zuerst einmal gab es dort nicht so eine Dunstglocke wie ständig über
Lima und man hatte eine super Sicht auf die sich auf eine weite Küstenfläche
verteilende statt. In die Breite gebaut, nicht in die höhe. Hübsch
anzuschauen mit den ganzen Hügeln (Anden) im Hintergrund. Der Chief war gut
drauf, wollte auch selber in die Stadt und hat uns schon zum Mittag
freigegeben. Also raus aus den öligen Klamotten, Duschen und ab mit Hannes
an Land. Der Hafen liegt ziemlich zentral, so dass wir die viertel Stunde in
die Stadt laufen konnten. Als erstes durch die große Shopping Mall an der
Uferpromenade und dann weiter ins Zentrum. Die meisten Häuser sind höchstens
vierstöckig und stammen größtenteils noch aus dem 19. Jahrhundert. Allgemein
sind sie etwas renovierungsbedürftig aber man kann sich noch gut vorstellen
wie alles vorher mal ausgesehen hat. Sehr ordentlich und irgendwie erinnert
es an englische Kollonialbauten.

Wir haben ein paar Euros in Pesos eingetauscht und sind Kaffee trinken
gegangen, bzw. eigentlich frischen Mangosaft der zwar echt lecker aber
leider auch mistwarm war. Auf der Suche nach einem Internetladen sind wir
auf der Hauptstrasse in eine Wahlkampfveranstaltung für, ich glaube, einen
von den Präsidentschaftskandidaten geraten. Wenn Wahlkampf in Deutschland so
aussehen würde, würden bestimmt auch mehr Menschen wählen gehen. Eine ca.
zwanzigköpfige Blaskapelle mit allem drum und dran schmettert Sambamusik und
eine riesen Schar von Wahlhelfern mit T-Shirts und Fahnen springt
ausgelassen durch die Fußgängerzone und blockiert mal auf der einen mal auf
der anderen Seite die Kreuzung um auf sich aufmerksam zu machen. Ich würde
sagen, hat funktioniert.

Irgendwann haben wir dann auch einen Internetzugang gefunden und wir haben
unsere Informationsdefizite ausgeglichen, Mails beantwortet und nach Hause
telefoniert. Hervorragend. Hinterher gabs ein Eis von Mc Doof und wir sind
noch weiter über die Marktstrasse gelaufen, haben aber nichts interessantes
gefunden. Und Cocablätter dürfen wir nicht mit an Bord nehmen...

Abschließend haben wir uns noch in der Mall mit Getränken eingedeckt und
haben uns auf dem Weg zurück zum Schiff noch eine Pizza geholt. Die hatten
sogar einen Lieferservice. Davon haben wir uns gleich die Nummer mitgenommen
und haben uns abends um zwölf noch mal ein Pizza zum Schiff bringen lassen.
Kalorienbevorratung vonwegen der hier an Bord herrschenden Trennkost. Dazu
ein Bier, lekker!

Mittlerweile ist es aber schon der 22.01. geworden und wir befinden uns auf
der Fahrt nach Vancouver. Gestern gegen 13.00h haben wir den Äquator
überschritten und bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 15 Knoten
könnt ihr Euch jetzt ausrechnen wo wir gerade ungefähr sind.

Zwischendurch haben wir ja noch einmal in Lima gestoppt um Blei zu laden.
Die Nacht vorher (17.01.) mussten wir vor dem Hafen ankern, was mir
Gelegenheit gab meine Angelkünste zu versuchen. Insgeheim habe ich ja
gehofft wieder so einen coolen Stachelrochen wie auf Madeira zu fangen aber
da war leider nichts zu wollen. Bis es dunkel wurde belief sich die Bilanz
auf zero Fische. Aaaber als es dann dunkel war haben wir einen großen
Strahler über das Wasser gehängt und von da an ging es dann Schlag auf
Schlag. Zwar nur Sardinen und Tintenfisch, aber immerhin war ich kein
Schneider mehr und Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. Für zwei
Personen hätte das auch schon eine Mahlzeit werden können, aber unser Koch
ist da sehr eigen mit seiner Küche (ich weiß gar nicht warum, Nudeln und
Reis macht der doch eh im Topf und andere Sachen gibt es ja quasi nicht) und
so habe ich die Fische eingetütet und eingefroren als Köder für das nächste
Mal Ankern.

Von unserem Aufenthalt in Callao gibt es auch nichts spannendes zu erzählen,
da wir nicht weiter also bis zur Shopping Mall gekommen sind. Mangels Zeit
hätten wir es nicht bis in die City von Lima geschafft und Dani war leider
auch noch krank geworden. (Scheiß Klimaanlagen) Abgelegt in Callao haben wir
am 18.01. abends und die ETA für Vancouver ist so um den 03.02., falls uns
nicht noch schlechtes Wetter dazwischen kommt.

Ich hoffe ich hören von Euch und das es Euch gut geht.

Viele liebe Grüße

Jan

Montag, 18. Januar 2010



Seemannsgebet

„Ehre sei Gott auf den Meere!
Er schuf das Meer so groß und weit,
voll Licht und Wind und Unendlichkeit,
und tat damit seine Absicht kund,
dass nicht ein jeder Lumpenhund,
womit die Erde so reichlich gesegnet,
dem fröhlichen Seemann da draußen begegnet!
Ehre sei Gott auf dem Meere!”

Donnerstag, 14. Januar 2010

120 Meilen vor Antofagasta

Liebes Tagebuch,

gerade zwei Wochen bin ich nun an Bord und es machen sich schon die ersten
Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Der Grund hierfür liegt darin, dass am
Samstag während wir unweit von Guayakil (oder so ähnlich) in Equador
gebunkert haben, unser Kreiselkompass ausgefallen ist. Die Tatsache an sich
ist nicht so schlimm, da wir ja immer noch über den Magnetkompass und GPS
verfügen, nur ist unser Autopilot dummerweise eben an besagten
Kreiselkompass angeschlossen und versagt uns nunmehr seinen Dienst. Ergo,
wir müssen selber Steuern. Das heißt für mich und Hannes eine Extraschicht
auf der Brücke, natürlich zu unserem normalen Dienst. Wir haben die Wache
von acht Uhr abends bis null Uhr. Das Steuern macht eigentlich Spaß, auf so
einem 140 Meter Schiff mit 15 Knoten durch den Südpazifik zu pflügen, nur
bringt es den Schlafrhythmus etwas durcheinander. Hinzu kommt das wir auf
dem Weg nach Antofagasta in Chile noch zwei Zeitzonen durchlaufen und uns
jeden zweiten Tag noch einmal eine Stunde Schlaf geklaut wird. Aber die
holen wir uns auf dem Weg zurück nach Lima wieder. Wie Du siehst bin ich
also ganz gut ausgelastet, mit momentan zehn bis zwölf Stunden Dienst
täglich. Im Maschinenraum machen wir uns auch jeden Tag schön schmutzig und
ich bin froh, dass ich noch einen zweiten Overall zum wechseln bekommen
habe. Mit beiden Armen bis zum Ellenbogen im Öl ist im Augenblick wirklich
keine Übertreibung. Irgendein Idiot hat nämlich im Pipetunnel, das ist der
Versorgungsgang der unter dem ganzen Schiff herläuft, versucht eine
Schwerölleckage mit dem Hochdruckreiniger zu beseitigen. Herzlichen
Glückwunsch, das hat das ganze nur noch schlimmer gemacht. Und wer darf den
Mist jetzt beseitigen? Genau, ich. Zum Glück habe ich noch Verstärkung durch
Efgeni, den anderen Maschinenkadetten. Und so krebsen wir momentan schön
durch den ca. 105 cm hohen Versorgungsgang.

Morgen in der Frühe werden wir dann in Antofagasta ankommen und ich hoffe
dort auch an Land gehen zu können. So ja, in Kürze mehr.

Dienstag, 5. Januar 2010

Lebenszeichen

Liebe Fangemeinde,

am 01.01.2010 bin ich nach 22 Stunden Reisedauer wohlbehalten in Lima an
Bord der BBC Ems angekommen. Das Schiff macht einen ordentlichen Eindruck
und der Großteil der Besatzung ist wirklich nett. Mein erster Einsatzbereich
wird wieder im Maschinenraum sein. In Callao dem Hafen von Lima haben wir
bis heute den 05.01. gelegen und einen Großteil unserer Ladung Drahtrollen
gelöscht. Eben sind wir um halb sechs abends ausgelaufen mit Kurs Esmeralda
in Equador. Dort sollen wir am 07.01. ankommen. Zu meiner Freude gibt es an
Bord die Möglichkeit Emails zu schreiben und zu empfangen. Zu erreichen bin
ich fortan unter JBreider@telaurus.net über Neuigkeiten von Euch würde ich
mich riesig freuen. Nur wenn Ihr mir schreibt, dann bitte ohne Kopie der
alten Mail und auch ohne Anhänge, Fotos, etc., da die Bandbreite sehr
begrenzt ist und es dann auch schnell teuer werden kann. Was Euch aber nicht
davon abhalten soll mir lange Mails mit ausführlichen Berichten zu schicken.

In Lima habe ich es übrigens tatsächlich geschafft am Sonntag Nachmittag,
mit Hannes einem NOA bei uns an Bord, in die Stadt zu kommen und Dani eine
Freundin von mir zu besuchen, die zufällig gerade dort ein Praktikum macht.
Mit Dani haben wir uns dann das Zentrum von Lima angeschaut und noch zwei
weitere Viertel. Mal mehr mal weniger hübsch. Viele schöne alte Gebäude gibt
es dort, aber auch viele schäbige und von den Ghettos ohne Strom und allem
mal ganz abgesehen. Da habe ich schon schönere Flecken Erde gesehen. Dani
wohnt allerdings in einem wirklich hübschen Viertel, welches eher europäisch
anmutet. Und bei ihr haben wir dann auch noch eingekauft und ein schönes
Abendessen mit frischem Fisch und Garnelen gehabt. Danke Dani. Da könnte
sich unser russische Koch an Bord auch mal ein Beispiel dran nehmen. Ich
esse nämlich seit drei Tagen wahlweise Reis oder Nudeln mit Salat.
Abwechslungsreiche Trennkost eben...

Aber Ihr kennt mich ja, so schnell falle ich wohl nicht vom Fleisch.

So viel erstmal für heute, ich werde Euch weiter auf dem Laufenden halten.

Haut in die Tasten und schreibt mir. Viele Grüße Euer Jan