Donnerstag, 14. Januar 2010

120 Meilen vor Antofagasta

Liebes Tagebuch,

gerade zwei Wochen bin ich nun an Bord und es machen sich schon die ersten
Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Der Grund hierfür liegt darin, dass am
Samstag während wir unweit von Guayakil (oder so ähnlich) in Equador
gebunkert haben, unser Kreiselkompass ausgefallen ist. Die Tatsache an sich
ist nicht so schlimm, da wir ja immer noch über den Magnetkompass und GPS
verfügen, nur ist unser Autopilot dummerweise eben an besagten
Kreiselkompass angeschlossen und versagt uns nunmehr seinen Dienst. Ergo,
wir müssen selber Steuern. Das heißt für mich und Hannes eine Extraschicht
auf der Brücke, natürlich zu unserem normalen Dienst. Wir haben die Wache
von acht Uhr abends bis null Uhr. Das Steuern macht eigentlich Spaß, auf so
einem 140 Meter Schiff mit 15 Knoten durch den Südpazifik zu pflügen, nur
bringt es den Schlafrhythmus etwas durcheinander. Hinzu kommt das wir auf
dem Weg nach Antofagasta in Chile noch zwei Zeitzonen durchlaufen und uns
jeden zweiten Tag noch einmal eine Stunde Schlaf geklaut wird. Aber die
holen wir uns auf dem Weg zurück nach Lima wieder. Wie Du siehst bin ich
also ganz gut ausgelastet, mit momentan zehn bis zwölf Stunden Dienst
täglich. Im Maschinenraum machen wir uns auch jeden Tag schön schmutzig und
ich bin froh, dass ich noch einen zweiten Overall zum wechseln bekommen
habe. Mit beiden Armen bis zum Ellenbogen im Öl ist im Augenblick wirklich
keine Übertreibung. Irgendein Idiot hat nämlich im Pipetunnel, das ist der
Versorgungsgang der unter dem ganzen Schiff herläuft, versucht eine
Schwerölleckage mit dem Hochdruckreiniger zu beseitigen. Herzlichen
Glückwunsch, das hat das ganze nur noch schlimmer gemacht. Und wer darf den
Mist jetzt beseitigen? Genau, ich. Zum Glück habe ich noch Verstärkung durch
Efgeni, den anderen Maschinenkadetten. Und so krebsen wir momentan schön
durch den ca. 105 cm hohen Versorgungsgang.

Morgen in der Frühe werden wir dann in Antofagasta ankommen und ich hoffe
dort auch an Land gehen zu können. So ja, in Kürze mehr.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen